Der Frankfurt Marathon 2016!

Das glückliche Ende einer spannenden Saison

Irgendwie war meine Saison 2016 dann doch unverhofft clever geplant. Der Bänderriss im Februar erwies sich im Nachhinein als Segen, weil mein Körper nach wochenlanger Erkältungszeit endlich die Chance bekam, mal wieder richtig gesund zu werden und ich Ende März gezwungen war, bei null anzufangen. Das weckte den Ehrgeiz und Kampfgeist in mir. Mit viel Alternativtraining auf dem Rad, dem Crosstrainer, mit wenigen Läufen und sehr viel Krafttraining habe ich mich im Frühling aufgebaut, bin im Mai den Mainzer Halbmarathon in erstaunlichen 1:29h gerannt, dann im Juni den Stockholm Marathon mehr schlecht als recht in schwierigen 3:17h und dann ging es durch eine harte Ackerphase, die etwa vier Wochen gedauert hat und weh tat. Kein Lauf war locker, meine Beine schienen ständig müde, mein Körper kam mir dick und unfit vor, aber ich blieb dran. Im Juli fing ich an, für immer auf Brot und Zucker zu verzichten. NO BREAD – NO SWEETS! Nach einer Entzugswoche, die von Aggressionen und ganz mieser Laune geprägt war, machte es plötzlich KLICK und es lief wieder. Schmerzfrei. Locker. Leicht. Ich hatte keine Lust auf Tempotraining, aber auf lange Läufe. Ich umrundete den Ammersee mit seinen 42 Kilometern, meine Lieblingsinsel Ameland und den Chiemsee mit jeweils 55 Kilometern, ich rannte durch die Berge, schnitt beim Lecher Höhenhalbmarathon so gut ab, wie in keinem Jahr zuvor, lief in drei Tagen von Garmisch nach Italien und wusste plötzlich, dass alles wieder möglich ist. Eigentliches Saisonziel war mein erster Ultralauf am Wörthersee, bei dem ich auf der 62 Kilometer langen Strecke als zweite Frau finishen konnte. So, und dann ging es in eine kurze, aber intensive Feinschliffphase, in der ich nur drei qualitativ hochwertige Tempoprogramme plus zwei harte Tempodauerläufe gemacht hab: Erst lief ich in Köln beim Halbmarathon tolle 1:25h und dann noch mal im Training die 16 Kilometer ziemlich entspannt im 4.10er Schnitt. Danach war mir klar: Frankfurt kann unter drei Stunden klappen!

 

Boah, bin ich nervös am Sonntagmorgen im Hotelzimmer. Das Wetter ist perfekt, meine Form ist perfekt und die Erwartungshaltung entsprechend hoch. Jetzt bloß nicht durchdrehen, Sonja! Ich lackiere mir noch schnell die Fingernägel und fummele an meinen Haaren rum, die seit gestern wieder kurz und leicht sind. Acht Wochen lang habe ich mit 300 Gramm schweren Braids auf dem Kopf trainiert und meine afrikanische Sommerfrisur fehlt mir irgendwie, aber es ist Teil des Plans, sie kurz vor dem Frankfurt Marathon abzuschneiden, damit ich federleicht über die Straßen der Mainmetropole rennen kann.

 

Der Plan geht auf. Ich rolle nach dem Startschuss im 4.08er Tempo locker über den Asphalt. Mein sechster Start in Frankfurt und ich kenne jede Ecke, jeden Kilometerabschnitt. Meine HOKA Schuhe, die ich extra zum Schutz der Hüfte trage, fühlen sich genau so perfekt an, wie mein leichter Kopf und mein cooles Shirt, auf dem RUN TILL DEATH steht. Eine Lebensläuferin will bis ans Ende ihrer Tage laufen. Das ist meine Botschaft. Und ich trage sie stolz durch die Gassen. Das Tempo bleibt sehr konstant bei 4.08 min/km und ich habe es voll und ganz im Griff. Kein Schnaufen, kein Kämpfen, kein Drücken. Wow! Wenn das mal so bleibt. Überall am Streckenrand sehe ich Freunde und Bekannte und ich feiere sie, sie feiern mich, wir feiern den Marathon. Auf der anderen Mainseite wird es ruhiger und ich mag diesen Abschnitt sehr. Es rollt weiter, ich schließe spielerisch immer mal zu Gruppen auf, die vor mir laufen und kann kaum glauben, wie gut ich mich fühle. Da ich seit Juli wirklich kein Brot und keinen Zucker mehr zu mir nehme, habe ich einen sehr empfindlichen Blutzuckerspiegel und daher Angst vor den klassischen Kohlenhydratgels. Also setze ich auf die im Training getestete Isomaltulose. Vor dem Rennen habe ich 500ml von diesen Disacchariden, die langsam ins Blut abgegeben werden, getrunken und im Rennen will ich drei selbstgemachte Gels ausprobieren, die Marc Suxdorf von den TIDE RUNNERS aus Hamburg mir geschenkt hat. Das erste Gel fällt mir allerdings bei KM 15 aus der Hand, als ich es öffnen will. Dann halt nicht… Zweiter Versuch bei KM 20 und diesmal klappt es. Spüle die leicht nach Zitrone schmeckende Klebmasse mit Wasser runter und überquere die Halbmarathonmatte in 1:27h. Ich werde es wohl nie lernen, einen Marathon mal mit angezogener Handbremse anzugehen, aber das ist mir egal. Es läuft und es macht Spaß. Bei KM 27 kommt zum ersten Mal der Gedanken, dass ich jetzt so langsam keine Lust mehr habe, denn irgendwie ist das Tempo dann doch bissel anstrengend. Aber da brüllt mich plötzlich mein Bruder an, der gerade erst Papa geworden ist und es sich nicht nehmen ließ, mit Kind und Kegel an die Strecke zu kommen, um mich anzufeuern. Oh mein Gott! Ich bekomme Gänsehaut und weiß, dass ich es ihm und mir und überhaupt allen, die gerade mitfiebern, an dieser Stelle schuldig bin, mich dann doch ein bisschen zu quälen. Also gut! Der Schnitt liegt zwar nicht mehr bei 4.08 min/km, aber immerhin noch bei 4.15 min/km. Bei KM 30 nehme ich das zweite Isomaltulose-Gel und bei KM 32 ist plötzlich Beate mit dem Rad neben mir und hilft mir beim Rechnen. Wenn ich die letzten zehn Kilometer im 4.30er Tempo laufe, dann schaffe ich es immer noch unter drei Stunden. Sensationell! Davon hatte ich geträumt. Und sofort laufe ich langsamer, ich faules Stück. Ich laufe gerade so, dass ich noch im Rahmen bleibe und finde es herrlich. Mir tut nix weh, mir ist nur ein bisschen schwindelig. Aber ich laufe. Und ich grinse. Und ich genieße jeden einzelnen Schritt. Bei KM 35 steht meine große Liebe und Martin sieht, was ich spüre: Ich werde souverän unter drei Stunden bleiben.

 

Es geht noch einmal durch die Stadt, vorbei an lautem Publikum, dann zurück zur Messe und dann ab ins Ziel. Noch nie in meinem Leben tat mir so wenig weh auf den letzten Metern eines Marathons. Wie ist das möglich? Ich strahle mit den Scheinwerfern in der Festhalle um die Wette, klatsche Mitläufer ab, falle Freunden um den Hals und bin einfach nur stolz und glücklich, weil ich es selbst als Vierzigjährige doch noch drauf hab mit dem Marathonlaufen. Kein Muskelkater am nächsten Tag, keine Hüftschmerzen, keine Erkältung. Einzig ein blühender Herpes im Mundwinkel und ein riesengroßes Schlafbedürfnis signalisieren mir in der Woche nach dem Rennen, dass jetzt die Zeit ist, dem Körper mal eine große Portion Erholung zu gönnen. Brot und Zucker streiche ich weiterhin von meinem Speiseplan, aber Sekt und Rotwein fließen… Auf die Saison 2016, auf das Laufen, auf das Leben!

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Jörg (Freitag, 04 November 2016 23:39)

    Prost Sonja! Toll geschrieben! Das ist ja mal richtig gerollt in Frankfurt! Großartig. Gruß

  • #2

    Katrin Laufen (Samstag, 05 November 2016 21:03)

    Hallo Sonja, auch Glückwünsche von mir. Toll, wenn man so ein Ziel erreicht. Es war wohl für viele ein perfekter (Bestzeit-)Tag in Frankfurt. Dann bleib verletzungsfrei, damit Du weiter das Laufen genießen kannst. Alles Gute von Katrin

  • #3

    Ulli (Sonntag, 06 November 2016 18:25)

    Hallo Sonni,
    ganz großen Glückwunsch! Du hast ein beeindruckendes Rennen hingelegt, Deine Lauffreude kann man förmlich in jeden Satz fühlen. Ich wünsche Dir noch viel so geniale Rennen und verletzungsfreie Jahre. LG Ulli

  • #4

    Thomas (Sonntag, 13 November 2016 18:53)

    Hallo Sonja,
    verspätet auch von mir Herzlichen Glückwunsch zu Deinem tollen Erfolg.Ja,man spürt wirklich bei jedem Satz die Freude die Du beim Laufen hast. Wenn es läuft dann läuft es... Dir weiterhin viel Freude beim Laufen und eine von Verletzungen oder sonstigen Krankheitenfreie Saison 2017.

    Liebe Grüße

    Thomas

  • #5

    anja.bernsee@gmail.com (Montag, 09 Januar 2017 13:24)

    Oh liebe Sonja,
    das hört sich ja so super an, auch wenn ich total spät bin... ganz herzlichen Glückwunsch zu deinem Wahnsinnserfolg!!
    Liebe Grüße
    Anja

  • #6

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